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EIN KURZER FILM UBER DAS TOTEN DEUTSCHES DIALOGBUCH
EIN KURZER FILM UBER DAS TOTEN DEUTSCHES DIALOGBUCH
- 2 - EIN KURZER FILM UBER PAS TOTEN ERSTER AKT 3 JUNGS 3 MADCHEN: (2.Band) (Gelachter, unverstdl. Dialog IT?) (evtl. ad lib.) (Gelachter) Los, die schnappen wir uns jetzt! 'ne gute Idee. Also kommt! LaBt sie nicht entwischen. Pack schon zu! Du hattest sie fąst gehabt. So, jetzt haben wir dich endlich! Gib mai den Bindfaden her! Na los, gib schon her! Und jetzt rauf da mit ihr! Kommt, weg hier!' Nichts wie weg hier! Na, kommt schon! (Gelachter) TAXIFAHRER: (Atmer) HAUSWART: Wie kann man so 'n Scheuerlappen wegwer- fen? . (OFF) Der ist doch noch zu ge- brauchen, Panie Marianie. (2. Ist doch noch so gut wie neu.) TAXIFAHRER: (Anatmer) worfen. Jemand hat damit nach mir ge-
- 3 - EIN KURZER FILM UBER PAS TCTEN HAUSWART: (lachelt) TAXIFAHRER: (OFF) Und (Sie) auch getroffen? Nein. . (Atmer) Konnen Sie sich vorstellen, . wer das gewesen sein kann? TAXIFAHRER: (OFF) Ich kann Katzen nicht ausstehen. . (ON) Sie sind genauso falsch wie Men- schen. JACEK: (Atmer, Laut) . . Bitte, sagen Sie, wie ist der Film? (2. Sagen Sie mai, wie ist der Film?) KASSIERERIN: (OFF) JACEK: (Laut) JACEK: Ist das 'n Krimi? KASSIERERIN: Langweilig. (Atmer) . 'n Liebesfilm. Aber (sehr) lang weilig. KASSIERERIN: Aber jetzt haben wir keine Vorstellung. . . Erst wieder nachmittags. . Jetzt ist da ein Meeting. JACEK: (2. eine Versammlung.) Was machen Sie da uberhaupt? (2. eigentlich?) KASSIERERIN: JACEK: Ich zupfe mir die grauen Haare aus. (OFF) Wo ist hier eigentlich der nachste Taxistand? . . (ON) KASSIERERIN: (OFF) Ich brauch 'n Taxi. Am Zamkowym Platz. (2. Am SchloBplatz.) KOLLEGE: (OFF) PIOTR: (Atmer) 3 MANNER 3 FRAUEN: Kallo. Kallo. (Atmer)
- 4 - EIN KURZER FILM UBER DAS TOTEN (2.Band) (unverstdl. Unterhaltung IT?) TAXIFAHRER: (Schniefer) (evtl. Archivschleife) NACHRICHTENSPRECHER: (2.Band) (RADIO) Gestem abend fand in Warschau in der National phi 1 harmonie ein Festkon- zert statt, welches unter der Schirmherr- schaft von__ (Anm.: Nachrichtensprecher sollte Orig. bleiben.) 2 MANNER: 2 FRAUEN: (Gelachter, unverstdl. Dialog, IT?) (evtl. ad lib.) Ich sagę euch, das Ganze war 'n Witz, und zwar 'n schlechter Witz! Ja, wie fast alles in diesem (beschissenen) SEKRETAR: Leben. (Gelachter) Pan Piotr Balicki, . . wenn Sie jetzt bitte reingehen wiirden. PIOTR: (raucht, Atmer) (3.Band) 3 MANNER: 3 FRAUEN: (unverstdl. Unterhaltung, IT?) MALER: (OFF) (evtl. Archivschleife) Na, soli ich dich auch mai malen? (2. Na, willst du auch so 'n Portrait von dir haben?) JACEK: (OFF) Und was kostet so was? MALER: (OFF) Zweitausend.
- 5 - EIN KURZER FILM UBER PAS T()TEN JACEK: (OFF) Und wie lange dauert das? MALER: (OFF) Was heiBt hier, wie lange, Kumpel? MALER: Du bezahlst mir nicht meine Zeit, . . sondern . mein Talent, verstehst (OFF) du? MALER: Und du, hast du irgendein beson- (OFF) deres Talent? JACEK: Nein. MALER: (OFF) Na, schon. (2. Was soli 's?) Vielleicht kannst du Schuhe machen? - Oder Baume pflanzen. JACEK: Baume (2. Pflanzen)... ja, so was kann ich. (2. Ja, Baume kann ich pflanzen.) MALER: (Laut) . . Dann wirst du nicht untergehen. Kumpel, (kl. Lacher, Trinklaute) (st.Schn .) JACEK: (leicht ins OFF) (VORSCHL) Geht 's in der Richtung zum Zamkowym Platz? MALER: Ja, immer der Nase nach. Kumpel. . . (Laut, Trinklaute) 2.SEKRETER: (OFF) PIOTR: (Atmer) Bitte sehr. Ich muB Ihnen sagen, auf diese Frage gibt es, ahm, keine leichte Ant- wort. (Atmer) (lachelt) Obwohl sie, ah, mir schon zweimal . gestellt wurde. . (Atmer) Bei der A u fnahme priifu ng
- 6 - EIN KURZER FILM UBER DAS TOTEN fiel mir die Antwort leicht. (2. brauchte ich nicht lange zu liberlegen.) (Atmer, Laut) Aber beim Staatsexamen, vier Jahre spater, da fiel mir . die Antwort auf diese Frage schon schwerer. (Atmer) . . Und heute . . noch schwerer. . (Atmer) . Auf diese berechtigte Frage, . . (st.Schn.) warum ich Strafverteidiger werden will. (2. aus welchem Grund ich Anwalt werden will.) (Atmer) (OFF) Mcchten Sie eine ehrliche Antwort hbren? . Oder die ublichen Phrasen? VORSITZENDER: PIOTR: Ersparen Sie uns die ublichen Phrasen. (Atmer) Urn die Wahrheit zu sagen, . auf diese Frage muB ich Ihnen eine Antwort schuldig b1eiben. (2. Ich weiB es nicht mehr, ich weiB es einfach nicht mehr.) PIOTR: (st.Schn.) Die Arbeit interessiert mich, und . . wahrend der Referendarzeit habe ich vie1 erlebt. PIOTR: (Anatmer) Es ist ein Beruf, . . der durchaus von Nutzen sein kann. . Fiir die Gesel1schaft. . . Was mir sehr wichtig an diesem Beruf ist. . (Atmer) (Anatmer) Was mich auch (2. auBerdem) fasziniert,
EIN KURZER FILM UBER DAS TCTEN ahm, . (st.Schn.) vielleicht sogar am meisten, ist, ahm, . falls alles wie ge- plant lauft, die Móglichkeit, . Menschen . . (Anatmer) zu begegnen und zu begrei- fen, . mit denen ich in einem anderen Eeruf, ahm, . . (Anatmer) wahrscheinlich niemals in Beriihrung kommen wiirde. . . Auch aus diesem Grund mochte ich, ah, ... TAXIFAHRER: PIOTR: (pfeift, IT?) Aber ich glaube, . im Lauf der (Atmer) Jahre . wird mir die Antwort auf diese Frage . . immer schwerer fallen. . . Je- der fragt sich mai, ob nicht alles, was er tut, vbllig sinnlos ist. . . (Anatmer) (Ausatmer) (Aber) ich fiirchte, . . meine Zweifel werden immer grcBer wer- den. 2 JUGENDLICHE: LKW FAHRER: (Atmer, Laute, IT?) (OFF) Tag, Halina! Ich hab 'ne Lieferung fur dich! HALINA: Na los, Beatka! . Beei 1 dich! Tag, Kareł. BEATKA: (GONT) BE IFAHRER: Tag, Beatka. BEATKA: (CONT) (Laute) TAXIFAHRER: (Atmer)
- 8 - ENDE ERSTER AKT EIN KURZER FILM UBER PAS TOTEN
- 9 - EIN KURZER FILM UBER DAS TOTEN ZWEITER AKT JACEK: (raucht) ALTE FRAU: Machen Sie, daB Sie da wegkommen! . Sie verjagen mir noch die Tauben! - Nun ge- h e n Sie schon end1 ich! JACEK: ALTE FRAU: (CONT) (Laut) (CONT) So ein Flegel! . Verscheucht mir die Tauben! TAXIFAHRER: DOROTHEA: (pfeift, IT?) (a.st.) Weit und breit kein Taxi. Da, sieh mai , da! ANDREAS: TAXIFAHRER: Sind Sie frei? Ich bin beschaftigt. . (OFF) (a.st.) Das sehen Sie doch. DOROTHEA: (Atmer) Dann warten wir da druben, es ist ziemi ich kalt. TAXIFAHRER: (Laut) DOROTHEA: (Atmer) TAXIFAHRER: (Atmer) JACEK: (Schniefer, Atmer) - (Atmer) VO RS ITZE NDER: (ins OFF) Welche, ah, Bedeutung hat Ihrer Meinung nach das StrafmaB fur die Verbrechensverhutung?
^0 - 10 - PIOTR: EIN KURZER FILM UBER DAS TOTEN Ah, . . ganz allgemein gesprochen, . soli die Strafe vor allen Dingen eine ab- schreckende Wirkung haben. . . Urn zu verhindern, daB andere eine Straftat begehen. . . Geniigen Ihnen meine Ausfiihrungen? VORSITZENDER: (OFF) PIOTR: (UBERL) (Atmer) . (OFF) Fahren Sie bitte fort. Die Strafe . dient im wesentlichen also der Abschreckung. (2. Die Strafe . wird zur Abschreckung benutzt.) . . (ON) Im Grunde genommen . wird der Verur- teilte zur Abschreckung benutzt. ... (2. statuiert man an dem Verurtei1 ten ein Exempe1 .) (3. wird mit der Strafe ein Exempel statuiert.) Verbrechensverhiitung durch Abschreckung. . . Durch Einschlichterung . . So heiBt es fast wortwbrtlich (2. zum Beispiel) im Paragraph 5 unseres Strafgesetzbuches. (Atmer) K MITGLIED: (UBERL) (OFF) Wozu dieser sarkastische Ton? (2. Das klingt etwas sarkastisch.) Denn die Verbrechensverhiitung .. . PIOTR: (UBERL) (Anatmer) ... ist eine hbchst dubiose Rechtfertigung, und nicht nur
7/ ■ 11 ’ Ul-™ZEEJ:ILMjj^RJ>ĄSjW nach meiner Meinung. . Und zwar fiir Stra- fen, . . die haufig zu hoch ausfallen. (2. (Und zwar) fiir Strafen, die mir oft . . sehr ungerecht vorkommen.) VORSITZENDER: (Atmer) ... Kónnen Sie Ihre Thesen viel- leicht belegen mit einem, ah, . Klassi- ker, der Jurisprudenz? . . Oder mit irgendeinem klassischen Fali? PIOTR: (Anatmer) Seit Kain und Abel . hat nie eine Strafe die Welt verbessert, . (ins OFF) oder je einen Menschen davon abgehalten, ein Verbrechen zu begehen. ... (OFF) Die Quelle brauch ich Ihnen wohl nicht zu zitieren. VORSITZENDER: (UBERL) (lachelt) Nicht notwendig. (2.Band) l.JURIST: (lachelt) (UBERL) (Atmer) BEATKA: (OFF) Entschuldigen Sie bitte, . . (ON) die Chefin hat vergessen, fiirs Suppengriin zu kassieren. TAXIFAHRER: Na, wie war's mit 'ner kleinen Spazier- fahrt? BEATKA: (lachelt, Atmer) TAXIFAHRER: (Atmer) ANDREAS: Moment ma 11 JACEK: (Atmer) (Atmer)
- 12 - TAXIFAHRER: EIN KURZER FILM UBER DAS TCTEN Hat meine Frau fur mich gemacht. (Atmer) ... Na, wie war's? . . (Laut) - Nicht schlecht, hc? JACEK: (lachelt) (Atmer) PIOTR: (Atmer) JACEK: Guten Morgen. (2. (VORSCHL) Guten Tag,.Panie.) . (st.Schn.) FOTOGRAF IN: (UBERL) (OFF) Ja, bitte? (2. Guten Morgen.) (3. Guten Tag.) JACEK: (OFF) Ich, ah, ... FOTOGRAFIN: (OFF) Ah, Sie wollen hier sicher die neu- en Regale anbringen. JACEK: FOTOGRAFIN: N e i n. (OFF) (VORSCHL) Da sollte heute namlich jemand kommen. JACEK: (Atmer) FOTOGRAFIN: (Atmer) JACEK: (OFF) Ich habe hier . ein altes Foto... Konnten Sie mir das . . (ON) (leicht VORSCHL) vielleicht ver- groBern? FOTOGRAFIN: (OFF) (VORSCHL) Ja, aber der Knick in der Mitte wird noch zu sehen sein. JACEK: (Atmer) FOTOGRAFIN: Na, schón. Das macht nichts.
EIN KURZER FILM UBER PAS TgTEN ■ 13 - JACEK: (ins CONT) Sagen Sie, ist das wahr, . . daB man an so einem Foto erkennen kann, . . (ON) FOTOGRAFIN: (OFF) ob jemand noch lebt oder nicht? Aber woher denn, das ist reiner Uns i nn ! (2. Da hat Ihnen jemand 'n Baren aufge- bunden.) JACEK: (Atmer) ENDE ZWEITER AKT
4 - 14 - EIN KURZER FILM UBER DAS TpTEN DRITTER AKT LOTTOEINNEHMER: Na, wie geht's Ihnen inzwischen? (2. Wie geht 's, Panie Marianie?) TAXIFAHRER: Danke, einigermaBen. . . (Atmer) (Atmer) Sagen Sie mir mai wieder . wie immer die letzte Nummer. LOTTOEINNEHMER: (Laut) TAXIFAHRER: Diesmal die 17. Die hatte ich schon. LOTTOEINNEHMER: In dem Fali die 16. (2. Na, schon, die 16.) TAXIFAHRER: LOTTOEINNEHMER: (Laut) TAXIFAHRER: (Atmer) Die 16? Etwas dicht drań. Na, gut. Sagen wir, die 15! (Atmer) . Die 15. LOTTOEINNEHMER: (OFF) (Ich muB sagen,) niemand flillt die Lottoscheine so ordentlich aus wie Sie. TAXIFAHRER: (UBERL) (Atmer) Ordnung muB nun mai sein. LOTTOEINNEHMER: (Und) auBerdem hat niemand so oft Gliick wie Sie. . (ON) Wieviel haben Sie eigent lich . letzten Monat gewonnen? TAXIFAHRER: (OFF) 412. LOTTOEINNEHMER: (ins OFF) 1.200 im Monat davor, nicht wahr? TAXIFAHRER: (UBERL) (Laut)
- 15 - EIN KURZER FILM UBER DAS TOTEN Und letzte Woche auch schon wieder LOTTOEINNEHMER: (OFF) 46. . . Ihren Einsatz holen Sie jedenfalls immer wieder raus. TAXIFAHRER: Mehr oder weniger. . (OFF) Na ja, man gibt die Hoffnung eben nie auf. Sie wis- sen ja, wie das ist. LOTTOEINNEHMER: Ja, . . und ob ich das wejB. 6 FUSSBALLFANS: (4) Legia, Legia! Hurra! Legia, Legia, jeder SchuB ein Tor, hurra! . Legia, Legia, hurra! Legia, Legia, jeder SchuB ein Tor, hurra! DaB die aus Lodź die grbBten Flaschen sind, das weiB in Warschau jedes Kind! (2. Die aus Lodź, das sind die groBten Flaschen, die stecken wir uns in die Taschen.) Ja! Hurra! Legia, Legia, hurra! Legia, Legia, jeder SchuB ein Tor, hurra! Hurra! Pan Piotr Balicki. SEKRETAR: (OFF) VORSITZENDER: (OFF) (st.Schn.) Ich móchte Ihnen die freudige Mitteilung machen, daB Sie das Assessor-Examen bestanden haben. PIOTR: (lachelt) VORSITZENDER: (ins ON) Nach Ihrer vierjahrigen prakti- schen Ausbildung ais Referendar darf ich
/s - 16 - EIN KURZER FILM UBER DAS TOTEN Sie hiermit ais Kollege begruBen, Pan Jewelicki. (?) VORSITZENDER: (CONT) PIOTR: (UBERL) (Atmer) sehr. VORSITZENDER: Ich gratuliere. Danke sehr. . . Danke (lachelt) (UBERL) (CONT) Jetzt miissen Sie nur noch vereidigt werden. (2. den Amtseid ablegen.) SCHWULER: (pfeift, IT?) (lachelt, Laute, Atmer) JACEK: (lachelt) PIOTR: (CONT) (lacht) Ich habe die Prufung (2. die Anwal tspriifung) (3. das Assessorexamen) bestanden! (lacht) . (ins OFF) Ab heute bin ich Rechtsanwalt! MANN: PIOTR: (leicht UBERL) (Laut) (Atmer) Jetzt kann ich eine Verteidigung ubernehmen! . Ich habe die Prufung be standen . (2. Ab heute bin ich Anwalt.) MANN: (Laut) PIOTR: (kl. Lacher) TAXIFAHRER: (lachelt) . . (Atmer) JACEK: (Atmer) ALA: (lachelt) (ins OFF) Piotr, hor schon endlich auf mit dem Unsinn! Du benimmst
- 17 - EIN KURZER FILM UBER DAS TOTEN dich ja wie ein Verriickter! (2 . Pennaler .) PIOTR: Na, wenn schon. - Komm, steig auf! ALA: (Atmer, kl . Lacher) ENGLANDER: (Englisch) Excuse me. - (ins OFF) Excuse me. Do you know the way to the Europejski Hotel? JACEK: Bist du Amerikaner? ENGLANDER: (Laut, lachelt) JACEK: Bułgar i en? ENGLANDER: (Englisch) JACEK: (Laut) Bulgarian? . No, English. ENGLANDER: (OFF) (Englisch) JACEK: (Atmer) - (Atmer) N SPRECHER: (RADIO) (bleibt Orig.) PASSANT: (OFF) TAXIFAHRER: (1achelt) - (1achelt) JACEK: (Atmer) ZIGEUNERIN: Good bye. Madzi o! . Madzi o! Soli ich Ihnen aus der Hand (ins ON) lesen, Ihnen sagen, was Ihnen die Zukunft bringt? Nur fiir ein paar Sloties fur mei- ne kleine Tochter. Vielleicht machen Sie bald eine schóne, groBe lange Reise. JACEK: (CONT) Nein, danke. - (ON) Nein! (2. Hau schon ab!) ZIGEUNERIN: Du sollst verflucht sein bis in alle Ewi g ke i t.
w EIN KURZER FILM OBER DAS TOTEN ’ 18 ■ ALA: (OFF) Nein, Piotr, ich hatte vor so was keine Angst. PIOTR: (lachelt) ALA: Soli ich dir mai aus der Hand lesen? PIOTR: (1achelt) ALA: (OFF) Ich sag dir auch die Wahrheit. PIOTR: (Laut) Na, schon. . . Aber wirklich nur die Wahrheit! VERKSUFERIN: (OFF) JACEK: Einen Tee (bitte). Ja, bitte? VERKAUFERIN: (OFF) Wir haben hier keinen Tee. JACEK: (CONT) Und was haben Sie hier? VERKAUFERIN: (Anatmer) JACEK: Also einen Kaffee . und ein Stiick Kuchen. Kaffee und Kuchen. VERKAUFERIN: (OFF) JACEK: Einen Windbeutel. . . (Laut) Und was fur Kuchen? Nicht den da! . . Nein, den anderen da! ... (OFF) ALA: Ja, den da. (lachelt) . (Atmer) Eine lange Lebens- linie und eine ausgepragte Gluckslinie. . . (Atmer) ... (CONT) zwei Kinder haben. PIOTR: (OFF) Hann? ENDE DRITTER AKT Und du wirst
EIN KURZER FUM OBER DAS TijTEN - 19 - VIERTER AKT JACEK: (ins OFF) (Trink- und EBlaute) JACEK: (ins OFF) (EBlaute) JACEK: (ins OFF) (EBlaute) JACEK: (ins OFF) (EBlaute) JACEK: (Atmer, lachelt, Atmer) PIOTR: Es gibt Augenblicke im Leben, __ da hat man das Gefuhl ais ob alles mbglich ware. (2. daB nichts unmcglich ist.) ALA: (1achelt) PIOTR: Alle Wegen stehen einem offen. Man hat . jede Chance, . . so ein Gefuhl . hab ich auch nach dem Abitur gehabt, und ich dachte, . das hab ich nie wieder. (2. das werde ich nie wieder haben.) ... Aber heute habe ich es wieder. ALA: (lachelt) . (Anatmer) (VORSCHL) Weil du heute einen Abschnitt deines Lebens . erfolgreich beendet hast, Piotr. ... PIOTR: ALA: (Laut) (lachelt, Atmer) Und deine Zukunft jetzt erst richtig beginnt. PIOTR: Ja. . . Das Gefuhl habe ich.
EIN KURZER FILM OBER PAS TgTEN ’ 20 ’ ALA: (lachelt) . (Atmer) ... WeiBt du, was ich gerade denke? PIOTR: (lachelt, Atmer) (VORSCHL) Nein, mein Schatz. (2. Nein, aber ...) Aber ich wiinschte manchmal, ich wuBte es. ALA: (lachelt) . . DaB du einmal sehr beliebt sein wirst. ... PIOTR: (Laut) ALA: (Atmer) (VORSCHL) Und ich dich immer lie- ben werde. JACEK: (Atmer, Trinklaute) TAXIFAHRER: (Atmer) BETRUNKENER: (Laute) JACEK: (Spucklaut) JACEK: (Schniefer) PRIESTER: Entschu 1digen Sie bitte, . (ins OFF) fahren Sie zufallig nach Mokotow? JACEK: (Laut) PRIESTER: Ich muB dringend nach Mokotow. JACEK: (Atmer) Nein, nach Wola. Nach Mokotow. (2. (VORSCHL) Fahren Sie mich nach Moko tow .) TAXIFAHRER: (Atmer) Wcllten Sie nicht auch nach Moko tow? JACEK: Nein, nach Wola. TAXIFAHRER: (Laut)
- 21 - TAXIFAHRER: (OFF) EIN KURZER FILM UBER DAS TOTEN Da hat 's mai wieder jemand ganz besonders eilig. . Ja, ja, ich fahr ja schon. ALA: (Atmer) PIOTR: (OFF) Was ist denn. Piotr? Ni chts , gar nichts. . . Ich hab nur grad gedacht, daB vielleicht doch nicht immer alles ganz soveinfach sein wi rd. (2. ... daB das Leben vielleicht doch nicht immer (ganz) śo einfach sein wird.) JACEK: (Atmer) ... Konnten Sie vielleicht das Fenster zumachen? . . (OFF) 'n biBchen klihl hier drin. TAXIFAHRER: (Atmer) TAXIFAHRER: (Atmer) 4 JUNGS: 4 MADCHEN: (unverstdl.) (IT? evtl. Archivschleife) KINDERGARTNERIN: (OFF) (unverstdl. IT?) (evtl.) Kommt schon, beeilt euch ein biBchen. JACEK: JACEK: (Atmer) (Atmer) Biegen Sie da vorn nach links ab. TAXIFAHRER: (Atmer) (VORSCHL) Geradeaus war's aber viel kurzer. JACEK: (ins ON) Ich mcchte aber lieber so fah- ren. TAXIFAHRER: (Atmer) Wie Sie wiinschen. (2. Na, bitte.)
^2. - 22 - ENDE VIERTER AKT EIN KURZER FILM UBER DAS TgTEN
^3 - 23 - EIN KURZER FILM UBER DAS TOTEN fCnfter akt JACEK: (Atmer) (leicht VORSCHL) Hal ten Sie bitte an. . . Ich will hier aussteigen. . . (OFF) TAXIFAHRER: Sie kehren dann am besten urn. (ins CONT) (VORSCHL) Lange war ich hier sowieso nicht mehr we itergefahren. JACEK: (Atmer, Laute) (IT?) TAXIFAHRER: (UBERL) (Atmer, Laute, IT?) TAXIFAHRER: (Atmer, Laute, IT?) JACEK: (UBERL) (Atmer, Laute) (IT?) TAXIFAHRER: (Atmer, Laute, IT?) JACEK: (UBERL) (Atmer, Laute, IT?) JACEK: (Atmer, Laute, IT?) TAXIFAHRER: (UBERL) (Atmer, Laute, IT?) JACEK: (Atmer) TAXIFAHRER: (Atmer, Laute, IT?) TAXIFAHRER: (Atmer, Laute, IT?) JACEK: (UBERL) (Atmer, Laute) (IT?) TAXIFAHRER: (UBERL) (Schreie, IT?) JACEK: (Atmer, Laute, IT?) TAXIFAHRER: (Atmer, IT?) JACEK: (UBERL) (Atmer, IT?) (Laute) (IT?) Oh, Gott! (Atmer)
- 24 - EIN KURZER FUM UBER DAS TaTEN JACEK: (Atmer, Laute, IT?) TAXIFAHRER: (UBERL) (Atmer, Laute) (IT?) Bitte, ... bitte, ... bitte, ... bitte... bitte__ JACEK: (UBERL) (Atmer, Laute, IT?) JACEK: (Atmer) JACEK: (Atmer) ENDE FONFTER AKT
£5 - 25 - EIN KURZER FILM UBER OAS TOTEN SECHSTER AKT JACEK: (Atmer) — (OFF) Kónnen Sie mir noch'n paar Kartoffeln verkaufen? BEATKA: Jacek! . . Komm doch rein! JACEK: (OFF) 'n Abend, Beatka. Du hast ja dein Bett schon gemacht, schon schlafen ge- hen? BEATKA: Erst mai muB ich was essen. . Aber dann wollte ich eigentlich schlafen gehen. JACEK: (Atmer) Komm mai raus, Beatka. . Ich will dir was ze i gen. BEATKA: (OFF) JACEK: Nein. . . Komm so wie du bist. BEATKA: Soli ich mir was uberziehen? (OFF) (VORSCHL) Was willst du mir denn ze i gen, ist doch schon dunkel! JACEK: Das hier. Da staunst du, was? ... Was sagst du dazu? . Steig ein. JACEK: Du wolltest doch immer mai verreisen. . . (ON) Jetzt kbnnen wir hinfahren, wo du willst! JACEK: (OFF) Du hast mir doch mai was von 'ner Kundin erzahlt, . die immer ins Gebirge fahrt.
46 ’ 26 ' EIH KURZER FILM UBER DAS TiiTEN BEATKA: Ihr Mann fahrt da immer hin. JACEK: Ah, . ihr Mann. ... Wir kbnnten da jetzt auch hinfahren. (2. Wir konnten jetzt auch in die Berge fahren.) (Atmer) . WeiBt du, . (Atmer) . (st.Schn.) die Sitze kann man nach hintep klappen. JACEK: Im Kofferraum liegt auch eine Decke. (2. ... hab ich auch eine Decke.) ... Und bald wird es wieder warmer werden. BEATKA: Wie kommst du auf einmal zu einem Auto? RICHTER: Die Verhandlung ist hiermit geschlossen. BEISITZER: (Atmer) JACEK: Ist es aus, . Panie Balicki? MUTTER: (Weinlaute, Schniefer, Atmer) PIOTR: Ja, es ist aus! ... (Atmer) MUTTER: (Atmer, Laute) PIOTR: (Atmer) Ich bin 's. (Atmer) . . Ich habe verloren. (2. Wir haben verloren.) ... Ja, . und zwar endgiiltig. (2 . Endgiiltig aus !) ... Ich weiB im Moment nicht, was ich (jetzt) mache. . (Atmer) __ Ich geh vielleicht 'n biBchen spazieren. . . (2. Vielleicht tatę mir etwas frische Luft gut.)
EIN KURZER FILM UBER DAS TOTEN ■ 27 _ Nein, nein, ahm, . . hol mich bitte nicht ab. . (Atmer) . . (Atmer) Und dir, wie geht's dir? ... (Atmer) (VORSCHL) Hast du dich mai (richtig) ausgeschlafen? . . Na, also. . . Wunderbar! ... In Ordnung, . bis nachher. PIOTR: (Atmer) - Panie Lazar! - (OFF) Jacek! - (Atmer) JACEK: PIOTR: (Laut) Entschuldigen Sie, es ist (VORSCHL) sicher nicht liblich, nach der Urteils- verkiindung den Richter urn ein Gesprach zu bitten, aber... RICHTER: Nein, liblich ist es nicht. . . Durchaus nicht. PIOTR: Ich móchte Sie gern etwas fragen. . . Jetzt, wo der ProzeB vorbei ist, . ob das Urtei 1 vie11eicht anders ausgefallen ware, . . wenn ein bekannterer Anwalt, . jemand, der alter . und erfahrener ist, . die Verteidigung Ubernommen hatte. . Und nicht ich. RICHTER: (CONT) (VORSCHL) Das Urteil ware genau- so ausgefallen. PIOTR: (Atmer) Vielleicht hatte mein Pladoyer, ahm, . . uberzeugender sein kbnnen. (2. miissen.)
- 28 - RICHTER: (OFF) EIN KURZER FILM UBER DAS T0TEN Ihr Pladoyer . . war die iiberzeu- gendste Argumentation gegen die Todes- strafe, . die ich seit Jahren gehórt habe. PIOTR: (Atmer) RICHTER: (Atmer) Aber das Urteil . muBte so aus- fallen. . (Atmer) Sie haben absolut nichts falsch gemacht. . (Anatmer) Weder ais Anwalt, . noch ais Mensch, glauben Sie mir. RICHTER: (Atmer) Und, ah, . . trotz dieser tragi- schen Umstande . (Atmer) freue ich mich, Ihre Bekanntschaft gemacht zu haben. (Atmer) PIOTR: RICHTER: Ich darf mich verabschieden. (UBERL) (Anatmer) Im librigen hatte man sich, ah, . . (Anatmer) in diesem Fali hbchstens einen besseren Richter vorstellen kbnnen. . . (Atmer) Denn fur das, was jetzt kommt, . (Atmer) fiihle ich mich verantwortlich. . . Hilft Ihnen das ein wenig? PIOTR: (Laut) Ah, nein. (Atmer) . Wissen Sie, . . (Atmer) (VORSCHL) es beschaftigt mich noch etwas anderes. sprach heute davon, . . Aber er (Atmer) . daB er kurz vor der Tat in einem Kaffeehaus
EIN KURZER FILM UBER DAS T5TEN ■ 29 ' saB und mit dem Strick rumgespielt, quasi geiibt hat. (Atmer) . (Atmer) Ich war damals auch dort. RICHTER: PIOTR: Wo? In diesem Kaffeehaus. Es war am friihen Nachmittag. . . Und zwar an dem Tag, . an dem ich mein, ah, Assessorexamen bestanden habe. . . Ich frage mich des- halb, (Atmer) . . (Atmer) damals nicht ob ich ihm (2. vielleicht) hatte helfen konnen. RICHTER: (OFF) Ich glaube, . fur einen Strafver- teidiger sind Sie ein wenig zu sensibel. PIOTR: (Atmer) . Da kann man nicht viel machen. (2. Ich furchte, das wird auch so bleiben.) RICHTER: (OFF) So? . Die Jahre werden Sie eines besseren belehren. . Und das heute war der Anfang. . . Auf Wiedersehen. PIOTR: (Atmer) PIOTR: (Atmer) MUTTER: (Weinlaute) Auf Wiedersehen. VATER: (UBERL) (Atmer) PIOTR: Danke. ENDE SECHSTER AKT
30 EIN KURZER FILM UBER DAS TOTEN - 30 - SIEBENTER AKT WARTER: Der Direktor wird Sie gleich empfangen. MANN: (OFF) PIOTR: (Atmer) (unverstdl. IT?) PFORTNER: (CONT) Es ist also soweit. HENKER: (Atmer) Ja, es ist soweit. HENKER: (Atmer) ASSISTENT: Guten Morgen. HENKER: (Atmer) Der Vorhang klemmt. __ (Atmer) Bringen Sie das in Ordnung. DIREKTOR: (OFF) HENKER: (CONT) (a.st.) Herein. Guten Morgen. . . Es ist alles vorbereitet. DIREKTOR: DIREKTOR: Gut, danke. (Anatmer) Wachę, bitte. . . Kommen Sie zu mir. Kommen Sie zu mir! . (Atmer) . Einen Moment noch, bitte. PIOTR: (Atmer) Vielen Dank. . (Atmer) Das habe ich erwartet. DIREKTOR: (OFF) Ich auch. . . (ON) (Atmer) das war zu erwarten. __ haben eine hal be Stunde. (Anatmer) Ja, Sie
- 31 - PIOTR: EIN KURZER FILM UBER DAS TOTEN (Laut, Atmer) (Atmer) DIREKTOR: (OFF) WACHSOLDAT: Zu Befehl. DIREKTOR: (OFF) Eine halbe Stunde. . . In Ordnung. Herein. Bringen Sie den Genossen Anwalt zum Gefangenen Lazar. WACHSOLDAT: (OFF) (a.st.) PIOTR: (Atmer) Jawohl. Kann ich vielleicht meine Akten- tasche hierlassen? PIOTR: (Atmer) STAATSANWALT: Guten Morgen, Genosse Anwalt. PIOTR: Guten Morgen. . . (Atmer) WACHSOLDAT: (Atmer) PIOTR: Ich will grad zu i hm. . . (Atmer) Er mochte mich noch einmal sprechen. STAATSANWALT: PIOTR: Das ist eine schwere Pflicht. Ja, . da haben Sie recht. Besonders weil es fur mich . (Atmer) das erste Mai ist. STAATSANWALT: (Atmer) Und hoffentlich auch das letzte Mai. ... (CONT) . . (ON) Ach, ah, Genosse Anwalt, es ist vielleicht nicht der passende Augenblick, . aber da wir ur.s so selten sehen, (Atmer) (OFF) mochte ich Ihnen gratulieren. . Ich habe gehbrt, Sie haben einen Sohn bekommen.
JZ EIN KURZER FILM UBER DAS TpTEN - 32 - PIOTR: (Atmer) Ja. (Atmer) . . Vor kurzem. . . Haben Sie vielen Dank. PIOTR: (Atmer) ENDE SIEBENTER AKT
- 33 - EIN KURZER FILM UBER DAS TOTEN ACHTER AKT JACEK: (Atmer) PIOTR: Sie, ah, woli ten mich spręchen? JACEK: Ja. . (Atmer) — Ich, ah, wollte Sie fragen, ob Sie . meine Mutter gesehen haben. JACEK: (Atmer) PIOTR: (Laut) (Ja,) sie hat geweint. JACEK: Und, ah, hat sie geweint? Sol 1 ten Sie mir nicht, ah, . (Atmer) noch irgend etwas (Atmer) . von ihr be- stellen? ... (OFF) Hat sie . gar nichts gesagt? PIOTR: Nein, ... (Anatmer) sie hat nur geweint. - Setzen wir uns doch. JACEK: ... (Atmer) Konnten Sie, ahm, . (ON) (CONT) (Atmer) vielleicht noch einmal . mit, ahm, . (Atmer) (noch einmal) mit meiner Mutter sprechen? . . Ich meine, wenn alles vor- b e i ist. PIOTR: (OFF) Aber naturlich. . . Ich werde zu ihr gehen. JACEK: . Das verspreche ich Ihnen. (UBERL) (Atmer) (Anatmer) Ich wuBte, daB Sie das fur mich machen (wurden). . .
34 EIN KURZER FILM UBER DAS TOTEN - 34 - (Atmer) Weil Sie meinen Namen gerufen haben, . ais ich Liber den Hot gefiihrt wurde. (2. ais ich abgefuhrt wurde.) . Nachdem ich verurteilt worden war. (Atmer) . . Sie riefen "Jacek". PIOTR: (Atmer) Ich rief "Jacek", (2. Ihren Namen) . . weil ich einfach, ahm, . . (Atmer) . (Atmer) ich, ahm, . . weiB nicht mehr, warum. JACEK: (Atmer) . Ich, ahm, bin gerade 21 geworden. . . (Atmer) . Aber ais Sie . meinen Namen riefen, ... (Atmer) da hatte ich am liebsten geweint. (2. da waren mir fast die Tranen gekommen.) PIOTR: (CONT) (Atmer) ... (Atmer) . . Und, ahm, vor Gericht (Atmer) (OFF) JACEK: (2. wahrend der Verhandlung) ais ich sagte, ... (UBERL) (Atmer) . Da hab ich niemals . richtig zugehbrt. (2. Das hab ich liberhaupt nicht richtig mi tbekommen.) ... Aber ais Sie meinen Namen gerufen haben, . . (Atmer) da . ist es auf einmal anders gewesen. (2. da . waren Sie nicht mehr mein Feind.) (3. da . hatte ich beinah geweint.) . .
3^ EIN KURZER FILM UBER DAS TOTEN " 35 " (OFF) Vor Gericht . waren alle gegen mich. . Und hier sind sie's auch. PIOTR: Gegen das, . was Sie getan haben. JACEK: Was aufs gleiche rauskommt. . . (Atmer) PIOTR: (Atmer) Sie wollten, . daB ich noch ein- mal mit Ihrer Mutter spreche. JACEK: (OFF) Ja, ich mochte meipe Mutter bitten, . . (ON) (Atmer) ich mochte meine Mutter bitten, daB sie mich neben meinem Vater begraben laBt. . (Atmer) Denn, ahm, . (Atmer) . . ich, ahm, . kann doch auf einem Friedhof begraben werden, nicht wahr? (2. Es ist doch mbglich, daB ich...) . (Atmer) PIOTR: (CONT) (Laut) . Naturlich. JACEK: Der Priester, der hier war, hat gesagt, PIOTR: Aber ja. JACEK: Da wo, ah, . mein Vater begraben liegt, es ware mbglich. (2. Aber naturlich.) ist noch, ahm, . ein dritter Platz frei. ... (Atmer) Der mai fur meine Mutter bestimmt war. . Das sollte mai ihr Grab sein. (2. wollte sie begraben werden.) . (Atmer) . Aber . . (Atmer) jetzt mochte ich sie bitten, daB sie mich dort begra-
EIN KURZER FILM UBER DAS igTEN ■ 36 " b e n laBt. (2. Jetzt mochte ich sie darum bitten, daB ich dort begraben werde.) ... (Atmer) HENKER: (raucht, Spucklaut, raucht) WACHSOLDAT: Ja, bitte? ... Jawohl, in Ordnung. WACHSOLDAT: Der Direktor laBt fragen, ob Sie fertig (2. In Ordnung, Genosse Direktor.) sind. (2. (VORSCHL) Der Genosse Direktor laBt fragen, ob Sie soweit sind.) PIOTR: PIOTR: Nein, noch nicht. Sprechen Sie weiter. ... (OFF) (a.st.) Was woli ten Sie gerade sagen? JACEK: (UBERL) (Atmer) ... Ich, ah, . ich weiB es nicht mehr. . (Atmer) PIOTR: (OFF) Sie wollten mir gerade erzahlen, wer dort noch begraben liegt. JACEK: (Atmer) . Meine . Schwester. . (Atmer) Mein Vater . ist dort begraben . und Marisia. . Und, ah, . (Atmer) JACEK: (VORSCHL) ein Platz ist noch frei. (Atmer) Marisias Beerdigung ist . fiinf Jahre her. . Ahm, . . ja, fast genau fiinf Jahre. (Atmer) (st.Schn.) Sie wur- de von einem Traktor iiberfahren. . Bei uns im Dorf.
3^ - 37 - JACEK: (Atmer) EIN KURZER FILM UBER DAS TCTEN Sie war grad . in die sechste Klasse gekommen. (2. Sie war . in der sechsten Klasse.) . . Und eine gute Schlilerin. Sie war erst . (Anatmer) (Atmer) . sie war erst zwolf. . Und in der . sechsten Klasse. . (Atmer) . . Der Bursche, v. der den . Traktor damals fuhr, . (Atmer) (OFF) das war mein Kumpel. (2. das war mein bester Freund.) . . Wir hatten was getrunken, . . Wein . und Wódka. JACEK: (Atmer) (VORSCHL) Dann fuhr er mit dem Traktor los. . . (Atmer) Und hat sie am Waldrand iiberfahren. __ (Atmer) Auf einer Wiese am Waldrand . . auf der sie immer gespielt hat. (2. gleich hinter dem Dorf.) ... (Atmer) . . (Atmer) Ich habe . hier viel nachgedacht und glaube, . (Anatmer) und glaube, . (Atmer) . (in sich VERZOGERN) wenn das damals nicht passiert ware, war ich wahrscheinlich niemals von zu Hause weggegangen, sondern . (Atmer) ben. dageblie-
3? EIN KURZER FILM UBER DAS TETEN ’ 38 - JACEK: (OFF) Sie war meine (einzige) Schwester. . . (Atmer) Ich hatte drei Bru der, aber nur eine, . nur eine Schwester. JACEK: (ON) (Atmer) ... (Anatmer) Ich war ihr.. (Atmer) . (Atmer) ich war ihr Lieblings- bruder. . . (Atmer) Von meinen . vier Geschwistern mochte ich sie auch am liebsten. ... (Atmer) . . Vielleicht ware alles ganz anders gekommen. . . (Atmer) Aber . . nachdem das passiert (Laute) war, . . (Anatmer) da konnte ich einfach nicht mehr zu Hause bleiben. . . (Atmer) . . (Atmer) Ich woli te nicht von zu Hause weg. ... (Atmer) War ich zu Hause geblieben, ... PIOTR: (CONT) ... ware das hier . . vielleicht alles nicht passiert? JACEK: (UBERL) (Atmer) ... (Laut) . (VORSCHL) Ja, vielleicht. . . Vie11eicht... (Atmer) Vielleicht war ich dann jetzt nicht hier. WACHSOLDAT: (OFF) Der Genosse Direktor ISBt fragen, ob Sie jetzt soweit sind. PIOTR: (Atmer) . . (Atmer) Sagen Sie dem Genos- sen Direktor von mir, . daB ich niemals soweit sein werde. WACHSOLDAT: (Anatmer) werden. DaB Sie niemals soweit sein
39 EIN KURZER FILM UBEK DAS TCTEN ' 39 • PIOTR: JACEK: (Ja,) niemals. (Atmer) Wir haben diese . Grabstelle ge- kauft, (st.Schn.) (Atmer) weil Marischa . . Baume so liebte. . . (Atmer) Sie liebte Blumen . und Baume. . . (Atmer) Sie woli te . damals gerade in den Wald. DIREKTOR: (Atmer) STAATSANWALT: (Atmer) STAATSANWALT: Haben Sie das Urteil bereit? v DIREKTOR: (Atmer) DIREKTOR: Es ist alles dabei. STAATSANWALT: Also gehen wir. DIREKTOR: (Rauspern) ... (Atmer) Sie kbnnen Ihre Aktentasche hier im Buro lassen. ... Bitte. - Bitte sehr. DIREKTOR: (Atmer) WACHSOLDAT: Zu Befehl. Bringen Sie ihn (jetzt) raus. ENDE ACHTER AKT
- 40 - EIN KURZER FILM UBER DAS TpTEN NEUNTER AKT WACHSOLDAT: (CONT) Der Genosse Direktor laBt sagen, er kann Ihnen nicht noch mehr Zeit gewahren. PIOTR: (Atmer) JACEK: (Atmer) . . Bei meinen Sachen . ist eine Quittung . von einem Fotogeschaft. Ich habe da eine VergroBerung machen lassen. (Atmer) Pch konnte sie dann aber nicht mehr abholen. Sie ist . bestimmt noch da. Ich móchte Sie bitten, daB Sie die VergroBerung abholen und meiner Mutter geben. Die Adresse steht auf der Quit- tung. . PIOTR: (Atmer) Und was ist das fiir ein Foto? JACEK: (Atmer) Es ist von . Marischas Kommu- n i on . PIOTR: (Laut) JACEK: (UBERL) Ais ich . von zu Hause wegging, habe ich es einfach . mitgenommen. . (Atmer) Ohne . . meine Mutter zu fra- gen. WACHSOLDAT: (Atmer) Kommen Sie jetzt. J
- 41 - JACEK: EIN KURZER FILM UBER DAS TOTEN (Atmer) ... (Atmer) (Anatmer) Ich will nicht. ... Nein, ich will nicht. PIOTR: Seid ihr verriickt geworden? ... Was soli denn das? 4 SOLDATEN: (unverstdl. IT?) (evtl. ad lib.) Also los, gehen wir. Komm schon, los! Na, los. Komm schon. (evtl. nur Atmer, Laute) - (Atmer, Laute) JACEK: (Atmer) JACEK: (Atmer) STAATSANWALT: Name und Vorname? JACEK: (Atmer) STAATSANWALT: Geburtsdatum? Lazar Jacek. JACEK: (Atmer) STAATSANWALT: Vornamen der Eltern? JACEK: (Atmer) 17. Marz 19 . 67. (Atmer) Jan, ah, ... und, ah, . Lucja. (Atmer) STAATSANWALT: (Atmer) (VORSCHL) Ich lese (Ihnen) noch einmal das Urteil vor. . . (Atmer) Im Namen des Volkes ist am 27. April 1988 vom Wojewodschaftsgericht in Warschau fcl- gendes Urteil ergangen: . (Atmer) "Der Angeklagte Jacek Lazar ist aufgrund seines Gestandnisses . (Atmer) und aufgrund der Beweisaufnahme . fur schuldig befunden worden, den Taxifahrer Waldemar
w EIN KURZER FILM OBER DAS T8TEI - 42 - Rekowski . am 16. April 1987 in Warschau ermordet und beraubt zu haben. STAATSANWALT: (Atmer) (VORSCHL) Der Angeklagte wird fiir das von ihm veriibte Verbrechen nach Paragraph 148, . Absatz 1, sowie nach Paragraph 144, Absatz 2 . des Strafge- setzbuches wegen Mordes in Tateinheit mit schwerem Raub . unter Aberkennung der burgerlichen Ehrenrechte . (Anatmer) hiermit zum Tode verurteilt. STAATSANWALT: (Anatmer) Das Urteil ist vom Obersten Gerichtshof bestatigt worden. . Der Staatsrat hat trotz wiederholter Gesuche . von seinem Gnadenrecht keinen Gebrauch gemacht. Das Urteil wird vollstreckt. JACEK: (Atmer) DIREKTOR: Bitte sehr. . . Eine Zigarette? JACEK: Eine ohne Filter . war mir lie- (Atmer) ber. (Atmer) HENKER: (raucht) JACEK: (ins OFF) (Atmer, racht) PIOTR: (OFF) (Laute) (ON) (Atmer) JACEK: (Atmer) Nein! Nein! (Weinlaute) (Atmer, Laute) (ad lib.) 4 WACHSOLDATEN: (Atmer, Laute) (unverstdl. IT?) (evtl. ad lib.) Haltet ihn fest! Los, haltet seine Han de fest!
EIN KURZER FILM UBER DAS TOTEN ■ 43 - Stellt ihn auf die Beine! Hoch mit i hm! Los, haltet ihn fest. DIREKTOR: Worauf warten Sie noch? JACEK: (Weinlaute) 4 WACHSOLDATEN: (CONT) (Atmer, Laute) (Anm.: Alle Verba1 isierungen sollten stumm bleiben.) JACEK: (CONT) (Atmer, Laute) 1 .2.WACHSOLDAT: (UBERL) (CONT) (Atmer, Laute) 1 .WACHSOLDAT: (LINKS) (UBERL) Mach dich doch nicht so schwer! Na los, hoch mit dir! Na los, hoch mit dir, Mann! Beeilt euch 'n biBchen. Macht schon. . Komm schon, na, los! HENKER: (UBERL) (Atmer, Laute) Und jetzt 'n biBchen hochziehen. Na los, 'n biBchen hochziehen. Noch 'n biBchen, noch 'n biBchen. 2 .WACHSOLDAT: (UBERL) (Atmer, Laute) BloB nicht los- 1 assen ! . BloB nicht loslassen! Wir haben 's ja gleich. ASSISTENT: Noch hoher? Was den, noch hcher, noch hbher? (OFF) Reichfs jetzt, oder noch hoher? PIOTR: (Atmer, Laute) (UBERL) (Atmer, Laut)
ty - 44 - HENKER: EIN KURZER FILM OBER CAS TCTEN Noch 'n biBchen. . . (Atmer) Und jetzt noch ’n biBchen, noch 'n biBchen. Noch etwas mehr. Stop. PIOTR: (ev11. Atmer, Laut) ARZT: (Laut) DIREKTOR: (Laut) PIOTR: (Atmer, Laute) ENDE DES FILMS